ToGo opening eyes
Wir sammeln für Togo, eines der ärmsten Länder der Welt.
Wir operieren den Grauen Star und bauen eine
Augenklinik in Vogan, Togo.
Erfolgreiche Operationen
Durchgeführte Einsätze
Augenlicht schenken
Unser aktuellstes Projekt: Aufbau der Augenklinik
Stand der Bauarbeiten Juli 2026
Tagebuch / Einsätze
Juli/August 2026
Endlich ist es wieder so weit: nach zwei Jahren in fast identischer Besetzung geht es für unsere Gruppe erneut für einen zweiwöchigen Einsatz nach Togo. Dieses Jahr jedoch in einem ziemlich kleinen Team. Als Augenarzt ist wieder Julian mit dabei, erstmalig ohne Armin, aber mit viel Erfahrung, Durchhaltevermögen und einer beneidenswerten Ruhe. Peter unser Anästhesist, pragmatisch und erfinderisch und im wahrsten Sinne des Wortes ein alter Hase – auch in der Erfahrung bei Einsätzen in Togo. Niggi unser zuverlässiger, herzlicher OP-Engel, welche beim Projekt „Togo Opening eyes“ bereits seit Anfang an dabei ist und somit die meiste Erfahrung und Leidenschaft mitbringt, unterstützt von Carmen, TOA, also OP-Engel und unser stets motivierender Sonnenschein und eine Optimistin durch und durch. Das Anästhesie Team wird von Hannah unterstützt, der diesjährigen selbsternannten Tagebuch-Tante. (Carmen korrigiert: von unserer herzensguten, von allen geliebten Hannah, frisch gebackene Fachärztin der Anästhesio-logie).
Bis zum Vortrag der Abreise blieb es allerdings spannend. Bei einem Gruppenmitglied fehlte trotz mehrfacher Beantragung noch das Visum. Doch pünktlich bzw. genau 24h vor Abflug wurde dieses per Mail zugesandt. Somit konnte wenigstens einer in der Nacht vor Abflug erstmalig beruhigt schlafen. Traditionell trafen wir uns bereits am Abend vor Abflug zur Kofferaufgabe am Flughafen Zürich. Leider bietet AirFrance diesen Service nicht mehr an, aber das Treffen hat sich dennoch gelohnt. Wir konnten die „Gute-Nacht-Tablette“ (gemeint ist das Malorone für die Malariaprophylaxe) verteilen und Niggi hat dankenswerterweise noch 5 Materialkoffer so umgepackt, dass schlussendlich alle Koffer ziemlich genau 23kg wogen.
Am Samstagmorgen vor dem Check-Inn dann die letzte Hürde: ein Materialkoffer brachte stolze 31kg auf die Waage. Mit etwas Charme hofften wir, ihn ohne zusätzliche Gebühren durch den Check-Inn zu bekommen- leider ohne Erfolg. Das gesamte Team packte also nochmals an und verteilte das Übergewicht auf die Privatkoffer, sodass schlussendlich alle Koffer im erlaubten Gewichtsbereich waren, und wir durch unsere Freudensprünge der mienenlosen, aber sehr geduldigen Dame am Check-Inn doch noch ein kleines Lächeln entlocken konnten. An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an Air France, die auch in diesem Jahr großzügigerweise die Kosten für unsere Materialkoffer übernimmt. Vielen Dank für diese wertvolle
Unterstützung!
Die Reise konnte nach der Verabschiedung durch unsere Liebsten endlich beginnen. Der Flug verlief problemlos und die Wartezeiten waren aufgrund des regen Austausches nach langem Wiedersehen sehr kurzweilig. Die Einreise in Togo war – wie jedes Jahr – etwas zeitaufwendig aber auch wir sind mittlerweile gut geübt in afrikanischer Gelassenheit, und am Ende sind alle Koffer vollzählig angekommen und ohne Probleme durch den Zoll. Von unserem treuen, togolesischen technicien superieur Ernest und dem neuen Klinikchef Donou wurden wir herzlichst in Empfang genommen und zügig nach Vogan gefahren. Nach insgesamt knapp 20-stündiger Reise lagen wir dann endlich in unseren mit Mückennetzen versehenen Betten in der Unterkunft bei unserem Stiftungsratmitglied Père Théo.
Nach einer eher unterhaltsamen ersten Nacht mit Trommlern im Hintergrund, dem Straßenlärm und den Hähnen, die scheinbar eine falsche biologische Uhr besitzen und bereits ab 2 Uhr anfangen zu krähen, starteten wir in unseren ersten Arbeitstag.
Wie jedes Jahr braucht es zunächst viel Energie und Geduld. Kisten und Koffer werden ausgepackt, medizinische Geräte kontrolliert und eingerichtet, Material sortiert und der OP Schritt für Schritt wieder zu unserem Arbeitsplatz für die kommenden zwei Wochen gemacht. Die Schlüsselsuche für den Anästhesiewagen verblieb ohne Erfolg, und leider passte auch der Ersatzschlüsse nicht ganz. Nach sämtlichen gescheiterten Versuchen den zum Anästhesiewagen umfunktionierten Baukastenwagen von Workzone auseinander zu bauen, halfen 2 gewaltvolle Schläge auf den Schlüssel, sodass dieser sich drehen ließ und der Wagen sich öffnete. All diese – wenn auch unterhaltsamen – „Probleme“ werden sich mit Fertigstellung des Spitalbaus erledigen.
Nach kurzer Besichtigung der beeindruckenden Spitalbaustelle folgte als Abschluss des Tages der zirka 45 minütige Spaziergang nach Hause und das „Feeling of Africa“ war zurück. Mittlerweile haben wir uns längst gut in Togo eingelebt und können es kaum glauben, denn die erste Woche ist bereits um. Die Zeit vergeht rasend schnell, und wir sind sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf unseres Einsatzes. Im Durchschnitt können wir täglich rund zehn Patientinnen und Patienten erfolgreich operieren. Dabei wird die eingetrübte Linse vollständig entfernt und durch eine neue Kunstlinse ersetzt. Es ist schön zu sehen, wie viel Lebensqualität wir den Menschen dadurch zurückgeben können, denn teilweise sind die Leute bereits auf dem nicht zu operierenden Auge blind.
Besonders erfreulich ist, dass sämtliche Geräte, Operationsprozesse und Materialien aus der Schweiz stammen, und wir auf einem hohen Niveau operieren können. Materialien und Medikamente, die es auch in Togo gibt, werden teilweise hier organisiert und bereitgestellt. Gleichzeitig merkt man deutlich, wie viel sich hier in Togo bzw Vogan in den vergangenen Jahren positiv entwickelt hat. Das Interesse, eine Augenklinik aufzubauen und kontinuierlich Verbesserungen umzusetzen, ist spürbar. Viele Anregungen aus den vergangenen Einsätzen wurden aufgenommen und realisiert. Auch die Infrastruktur zeigt Fortschritte. Bisher hatten wir lediglich zwei kurze Stromausfälle von maximal 30 Sekunden. Und selbst die Klimaanlage funktioniert in diesem Jahr ohne Probleme – Kleinigkeiten, die unseren Arbeitsalltag enorm erleichtern und zeigen, dass sich vieles zum Positiven verändert hat.
Die Zusammenarbeit mit unserem togolesischen Team funktioniert weiterhin hervorragend. Die Kolleginnen und Kollegen vor Ort bereiten die Patientinnen und Patienten sorgfältig vor und führen die notwendigen Messungen bereits Tage zuvor durch. Alles läuft also wie am Schnürchen und Hand in Hand.Nach der Operation erhalten die Patientinnen und Patienten, welche für die OP nüchtern sein müssen, Wasser, ein paar Kekse und eine Lesebrille. Am darauffolgenden Tag erfolgt die Nachkontrolle durch unsere togolesischen Optiker. Es ist jedes Mal beeindruckend zu erleben, wie dankbar die Menschen sind, wenn sie nach Jahren wieder klar sehen können.
Regelmäßig schaut auch der Klinikchef Donou vorbei, um sich im Namen des gesamten Teams sowie der Stadt Vogan für unseren Einsatz zu bedanken. Ende der vergangenen Woche durften wir zudem den Präfekten Jérome Leguede von Vo begrüssen. Er besucht uns jedes Jahr und bringt grosse Wertschätzung für unsere Arbeit zum Ausdruck.
Nach einer arbeitsreichen Woche konnten wir am Freitag besonders zufrieden auf unseren Fortschritt blicken. Wir sind gut vorangekommen, sodass wir wie (fast) jedes Jahr den Nachmittag auf dem größten Markt Westafrikas in Vogan verbringen konnten. Wie bei jedem Besuch ist dieses riesige, lebendige Wimmelbild einfach beeindruckend. Überall gibt es etwas zu entdecken: Leuchtende Farben, intensive Gerüche, das laute Markttreiben und das geschäftige Gewusel der Menschen. Man weiß kaum, wo man zuerst hinschauen soll – jeder Besuch ist aufs Neue ein besonderes Erlebnis.
Auch am Samstag kamen wir mit unserer Arbeit zügig voran. Am Nachmittag führte uns der Architekt Komi über die Baustelle des neuen Spitals. Er hatte die verschiedenen Bereiche bereits beschriftet, sodass wir uns das fertige Gebäude viel besser vorstellen konnten. So standen wir quasi schon im zukünftigen Operationssaal – ein beeindruckender Moment, der die Dimension dieses Projekts noch einmal greifbar machte.
Unsere Küchenperle Brigitte hat für den Schweizer Nationalfeiertag am Samstag ein ganz besonderes Abendessen vorbereitet. Der Tisch war liebevoll mit schweizer Servietten dekoriert und kulinarisch wurden wir ebenfalls verwöhnt. Ein absolutes Highlight waren ihre selbst getrockneten beziehungsweise frittierten Bananenchips. So gute Bananenchips haben wir noch nie gegessen – ganz ohne Zucker, im Gegensatz zu vielen Produkten aus Europa. Daran kommt wirklich nichts heran!
Am Abend bekamen wir außerdem Besuch von einem Pfarrer, der die Stiftung bereits vor einigen Jahren kennengelernt hatte. In gemütlicher Runde ließen wir den Tag entspannt und erfüllt ausklingen und freuten uns auf unseren freien Sonntag.
Den Sonntag begannen wir mit einem Gottesdienst in der großen Kirche von Vogan. Die Kirche wirkt von außen fast so, als würde sie seit dem letzen Besuch eher zurück- als weitergebaut werden, aber was genau dahinter steckt, wissen wir nicht. Etwas enttäuscht waren wir allerdings vom Gottesdienst: Wir hatten uns auf mitreißenden Gospelgesang und viel Tanz gefreut, wie wir es von früheren Besuchen in dieser Kirche kannten. Dieses Mal verlief die Feier deutlich ruhiger. Anschließend wurde es ein echter „Lazy-Lese-Sunday“. Statt eines Ausflugs entschieden wir uns bewusst dafür, die Batterien aufzuladen. Jeder gönnte sich etwas zusätzlichen Schlaf oder verlor sich in einem guten Buch. Gemeinsam mit unserem Stiftungsratsmitglied Theo genossen wir ein leckeres Mittagessen und machten später noch einen entspannten Spaziergang zum Cénacle, einem Kloster der Ordensgemeinschaft „Notre-Dame du Cénacle“, die hauptsächlich autark leben. So konnten wir Kraft tanken und starten nun mit frischer Energie und großer Vorfreude in unsere zweite Woche.
Die zweite Woche läuft weiterhin gut und der Arbeitsalltag vergeht wie im Flug. Unsere Abläufe haben wir bis ins kleinste Detail perfektioniert und jeder Handgriff sitzt. Es ist schön zu merken, wie wir als Team noch besser zusammenarbeiten und sich vieles ganz selbstverständlich anfühlt. Auch an das morgendliche „Geschunkel“ im Auto über die unebenen Straßen haben wir uns inzwischen gewöhnt. Besonders schön dabei sind die Begegnungen auf dem Weg zum Spital: Auf den zahlreichen Motorradtaxis, die nicht selten mit 3-4 Personen und jeder Menge Gepäck beladen sind, entdecken wir manchmal von uns operierte Patienten mit ihren Augenklappen auf dem Weg zur Kontrolluntersuchung uns lächelnd und zufrieden zuwinken.
Am letzten Abend gab es dann noch einen kleinen Wasserunfall in unserer Unterkunft: Der Schlauch an einer Toilettenspülung löste sich und wir mussten kurzerhand das Wasser abdrehen, um eine noch größere Überschwemmung zu verhindern. Immerhin bekam die Person mit den frisch eingeschäumten Haaren unter der Dusche noch 60 Sekunden Zeit, um sich fertig abzuduschen. Zum Glück war Julian, die Hilfskraft von Père Théo (unser stets umsorgender togolesischer Mann im Hintergrund, Marktbegleiter, Essenslieferant usw.) innerhalb von gefühlt sieben Minuten mit einem neuen Schlauch aus dem Dorf zurück und reparierte alles im Handumdrehen. So ging auch der letzte Abend unserer zweiten Woche mit einem kleinen Abenteuer zu Ende – und wir können über solche Situationen genauso lachen wie über die Geckos an unseren Wänden, die kleine, nicht zu fangende Hausmaus und den lautstarken Chorgesang der Frösche aus der Nachbarschaft zum Einschlafen.
Auch dieser Einsatz bleibt für uns, wie jedes Jahr, etwas Besonderes und wir sind dankbar, dass wir alle gesund geblieben sind. Trotz aller Fortschritte wird uns immer wieder bewusst, wie
unterschiedlich das Leben hier im Vergleich zu Europa ist. Umso mehr berührt uns die große Dankbarkeit der Patientinnen und Patienten. Diese Momente sind unbezahlbar und geben unserer Arbeit einen tiefen Sinn. Wir freuen uns schon auf den nächsten Einsatz und darauf, noch vielen weiteren Menschen ihr Augenlicht zurückgeben zu dürfen.
Nun können wir es aber kaum abwarten, mit vielen schönen Erinnerungen im Gepäck wieder nach Hause zu kommen.
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