Tagebuch 2018

20.07/21.07.2018

 

​Um 07:30 Uhr trafen wir uns in der Bye Bye Bar am Flughafen Zürich. Nervös und voller Vorfreude verabschiedeten wir uns von der Schweiz und machten uns mit vier "Neulingen" und zwei "Alteingesessenen" und voller Zuversicht auf den Weg. Doch bereits in Paris mussten wir feststellenm dass nicht immer alles nach Plan läuft. Nach einem fünfstündigen Aufenthalt an Bord, wurde der Flug aufgrund eines herrschenden Gewitters, einem defekten Motor und zu späten Ankommens in Lomé abgesagt. Nach der Nacht im Hotel und einem grossen Frühstück fühlten wir uns am nächsten Tag gestärkt, um die 2. Etappe unserer Reise anzustreten. Schlussendlich waren wir alle glücklich, als der Flieger langsam zu rollen begann und in die Luft abhob. Knapp sechs Stunden später standen wir endlich auf togolesischem Boden. Es herrschte grosses Wiedersehen, als wir Père Théo und die neue Direktorin des Spitals trafen, die uns mitsamt dem Gepäck zu unserer Unterkunft fuhren. Kaum angekommen wurden wir von Brigitte, unserer alljährigen Köchin, mit Suppe, Gemüse und frischen Früchten verwöhnt. Müde und mit vollem Magen waren wir froh als unsere Moskitonetze montiert waren und wir in unseren Betten lagen.

22.07.2018

 

​Frühmorgens um 05:30 Uhr klingelten die Wecker und die Ersten wagten sich unter die eiskalte Dusche. Sonntag bedeutet Messe und diese wollten wir natürlich nicht verpassen. Bereits auf dem Weg zur Kirche begegneten wir vielen Menschen in ihren bunten Sonntagskleidern. Nicht nur sie wurden von uns bewundert und bestaunt, sondern auch wir wurden von allen Seiten mit grossen Augen angesehen. Es folgte ein fast dreistündiger Gottesdienst  voller Musik, Tanz und Gebeten. Auch wir mussten unsere Tanzkünste unter Beweis stellen, doch wir hatten Mühe mit den Bewegungen der togolesischen Frauen mitzuhalten, obwohl wir gut instruiert wurden. Das Tanzen liegt uns einfach nicht so im Blut wie ihnen. Auf dem Nachhauseweg hatten wir die Möglichkeit die Vorgärten einiger Häuser zu betrachten, bevor wir zu Hause wieder hungrig am Tisch sassen und gemeinsam Frühstück assen. Am Nachmittag begaben wir uns auf Internetsuche. Denn wie es so ist, mussten wir feststellen, dass unser Wlan nicht wie geplant funktionierte. Wir hoffen, dass sich das Problem in den nächsten Tagen beheben können, um unser Tagebuch für euch aktuell zu halten. Un das Beste zum Schluss: Wir warten wieder auf den Container in Lomé.

23.07.2018

 

Nach der Unordnung, die wir gestern im Spital vorfanden, ging es für uns heute morgen mit Putzen und Einrichten los. Alle Gestelle wurden abgestaubt, Medikamente und Linsen wurden neu geordnet und alles für die Operationen vorbereitet. Nach drei Stunden Arbeit, sah alles wieder bereit aus. Am Nachmittag ging es dann auch endlich los. Doch leider musste die ganze Aktion bereits nach zwei Operationen wieder abgebrochen werden. Wir und die Räumlichkeiten wären bereit gewesen, doch das Fehlen des Containers macht uns leider zu schaffen. Das Problem liegt darin, dass uns wichtiges Material fehlt. Da die Linsen der Patienten oftmals sehr trüb sind, ist es ein zu grosses Risiko, sie ohne das fehlende Material zu operiere. Wir hoffen ganz fest, dass unser Container morgen ankommt, damit wir endlich richtig anfangen können.

25.07.2018

Der Tag neigt sich langsam dem Ende zu. Er hat regnerisch begonnen und der Container ist immer noch nicht hier, dennoch war es ein toller Tag. Wir haben unser Ziel erreicht. Dreizehn Operationen waren geplant und fast alle wurden auch erfolgreich durchgeführt. Leider mussten wir eine Frau mit ganz weisser Linse, nornalerweise wasserklar, nach Hause schicken, da uns das Material, welches wir gestern aus Lomé erhalten haben, bereits ausgegangen ist. Sie wird dafür morgen als erste operiert. Der Container sollte heute Abend noch ankommen. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wir glauben jedoch fest daran und arbeiten morgen weiter.

26.07.2018

 

Was für ein Tag. Gestern vor dem ins Bett gehen haben wir darüber diskutiert, ob der Container, in dem das gesamte Operationsmatetial ist und vieles für das Spital, wohl vor dem Spital stehen wird. Beim Frühstück heute morgen schien uns Père Théo äusserst ruhig. Als wir ihn auf den Container ansprachen, meinte er betrübt, dass er noch nicht hier sei. Dennoch fuhren wir ins Spital, doch seine Aussage bestätigte sich. Doch das Spital hatte wieder ein spezielles Material aus Lomé für die Augenoperationen bestellt. Dieses kam  um  11 Uhr an und erst dann konnten wir bis am Abend weiterarbeiten. Wir wissen nicht, wann der Container nun endlich kommt. Es getraut sich niemand mehr, etwas zu versprechen. Wir hoffen weiter. 
Bisher fehlen die Bilder in unserem Journal. Unser Internet ist leider immer noch nicht stark genug, um Bilder hochzuladen. Vielleicht klappt es ja noch. Die Bilder folgen später sicher. Fühlt Euch einfach mal so wie wenn Ihr auf was wartet und nichts kommt. Das ist wie bei uns. Willkommen!

27.07.2018

 

Heute war ein aufregender Tag.
Gestern fiel die Autoschiebetüre von unserem lieben Stiftungsauto weg. Wir konnten sie nicht selber wieder ordentlich einhängen. Nur ein Garagist konnte das schaffen. Und das gibt es selten hier! Père Théo hat das heute morgen erledigt. 
Wir verbrachten den Morgen im Spital und operierten fleissig weiter. Nach dem Mittagessen gingen wir auf den wöchentlichen Markt in Vogan, welcher der grösste Vodoo Markt im ganzen westlichen Afrika ist. Er ist riesig und sie verkaufen alles, von Stoffen und Küchenmaterial bis hin zu allen Tieren (auch getrockneten) und Esswaren. Es herrschte ein buntes Treiben. Als wir mit dem wieder ganzen Auto von Père Théo abgeholt wurden und auf die Strasse einbogen, kam uns "der" Container entgegen. Wir realisierten, dass es unser Container war und grosse Freude herrschte. Der Container ist endlich da! Die erfrischende Dusche mussten nun ersteinmal warten. Jetzt hiess es ausräumen, Kisten auspacken und Material aufräumen.
Währenddessen waren einige mit dem Auto unterwegs nach Lomé, um die Stiftungsräte und die Architektin vom Flughafen abzuholen, die mit uns die zweite Woche in Vogan verbringen werden und alle offenen Fragen bezüglich Spitalbau klären wollen.

28.07.2018

 

Auch heute ging es im Vorbereitungsraum mit Auspacken und im Operationssaal mit Operieren weiter. Wir haben genug Material erhalten, um weiterarbeiten zu können und um ihnen genügend Material hier zu lassen. Unsere Neuankömmlinge (2 Stiftungsräte und 1 Architektin) hatten eine Spitalführung, um einen Einblick zu erhalten. Am Nachmittag gingen wir nach getaner Arbeit zu Fuss nach Hause. Wir kamen an kleinen Seitensträsschen, einer Mühle, einer Schusterei und vielen Ständen, an denen sie ihre Lebensmittel verkaufen, vorbei. Es war eindrücklich den Heimweg einmal auf eine andere Weise zu sehen. Dir Leute sind arm (Verdienst 50 SFr. pro Monat), aber glücklich.

29.07.2018

 

Sonntag bedeutet Wochenende. Doch nicht für uns. Am Morgen gingen wir in die Messe, in die neu gebaute Kirche von Père Théo, eine kleine Kathedrale. Auch hier war die Messe mit viel Gesang und Tanz. Am Nachmittag rief die Arbeit. Wir operierten fünf Patienten und die Stiftungsräte und die Architektin Uta schauten sich gemeinsam mit Père Théo ein weiteres Spital in der Nähe von Vogan an. Am Abend kam Père Joseph, ein Priester, der lange in Deutschland gelebt hatte und somit perfekt Deutsch spricht vorbei. Er hat nun in Vogan, ganz in der Nähe, eine Schule aufgebaut, welche er nun leitet. Er konnte uns viele Fragen zu Land und Leuten bentworten. Morgen werden die zwei Stiftungsräte David und Anita und Uta ihn in seiner Schule besuchen und zu Bauvorhaben befragen. Ausserdem findet morgen ein Gespräch bezüglich des eventuell geplanten Spitalbaus mit der Direktorin des Spitales in Vogan statt.

30.07.2018

 

Der letzte Montag in Togo neigt sich für uns langsam dem Ende zu. Wir haben heute 11 Patienten erfolgreich operiert. Auch die Stiftungsräte und die Architektin hatten ein volles Programm. Im Gespräch mit Père Joseph konnten sie viele Fragen bezüglich Bauvorschriften und Bauvorhaben in Togo klären, wobei auch viele neue Fragen und Ideen aufgetaucht sind. Am Nachmittag erfuhren sie im Spital in einem Gespräch mit der Direktorin Akakpo Interessantes über das Spital in Vogan, die Zukunft des Spitales, die Löhne der Ärzte in Togo usw. Am späten Nachmittag gingen wir alle gemeinsam bei einem tollen Sonnenuntergang zu Fuss nach Hause. Alle Erlebnisse des Tages wurden nach dem Abendessen, an dem wir von unserer Köchin Brigitte wieder einmal hervorragend verköstigt wurden, besprochen. Es geht uns gut, und niemand muss sich Sorgen um uns machen.

31.07.2018

Auch heute wurden die ersten bereits mitten in der Nacht um 02:00 Uhr von den krähenden Hähnen im Garten geweckt, welche herumgakkerten und "kikerikiten". Da sind unsere Hähne in der Schweiz einfacher. Wir hören sie selten. Dass sie nur einmal bei Sonnenaufgang "Kikerikien" dürfen, müssen die Hähne in Togo noch lernen. Sie machen das dauernd.
Heute war unser Rekordtag. Wir haben 13 Patienten operiert! Am Morgen, während der Arbeit, besuchte uns der Schneider von Folly (ein Augenarzt, der das Togo Team seit dem ersten Mal im Jahr 2014 kennt), um uns auszumessen, um Röcke und Hosen zu schneidern. Am Abend wurden wir vom Schneider des Herrn Prefekt (das entspricht unserem Regierungsrat) ausgemessen, der uns ebenfalls Kleider schneidern lässt. Wir wissen nun alle unsere eigenen Masse.
Die Operationen sind zum Teil sehr schwierig. Wir machen es jedoch gut mit hervorragenden Resultaten und danken auch sehr dem ganzen Team. So ohne Schmerzen in Ruhe operiert zu werden, ist eine Voraussetzung für gute Operationen. Ohne unseren hervorragenden Anästhesiearzt undenkbar!

 

01.08.2018

Zu Ehren des Schweizer Nationaltages ging ein Teil unserer Gruppe im Schweizer T-Shirt zur Arbeit. Bevor wir ins Spital fuhren für das Erstellen der Inventarliste, besuchten wir Nate Huber, den togolesischen Maler und seine Familie. Er zeigte uns seine unglaublichen Kunstwerke. Er sagte, dass er fast keine Bilder verkauft und am Existenzminimum lebt mit seinen 5 Kindern. Es gibt eben beinahe keine Touristen hier. Wir kauften bunte Bilder mit afrikanischen Motiven und verteilten Stifte und Bücher an seine 5 Kinder. Nach dem Mittagessen wurde fleissig operiert. Besonders die letzte Operation des Tages war mühsam und dauerte lange, doch schliesslich war alles erfolgreich geschafft. Wir waren sehr glücklich. Als wir nach Hause kamen wurde der 1. August gefeiert mit Schweizerfahnen und Lampions. Wir assen aus Tellern mit einem Schweizerkreuz und sangen gemeinsam die Schweizer Nationalhymne.

 

02.08.2018

Unser vorletzter Tag in Togo beginnt voll mit Operationen. Alles weisse Linsen und sehr dankbare Patienten. Da am späten Nachmittag die Abschlusszeremonie stattfand, gaben wir am morgen nocheinmal alles und operierten zwölf Patienten. Die Abschlusszeremonie fand auf dem Gelände des ev. zukünftigen Augen-Spitales statt. Viele Persönlichkeiten der Stadt, unter anderem der Prefekt (der Kantonsrat), der Maire (der Bürgermeister), Père Théo, die Direktorin des jetzigen Spitales Akakpo, der Minister für Gesundheit etc. etc. waren anwesend und hielten Reden. Wir wurden bedankt, und es wurde uns versichert,  sich weiterhin voll für das Projekt einzusetzen.  Auch unsere Stiftungsräte und Armin hielten beeindruckende Reden, welche wir voll auf Video aufgezeichnet haben.
Am Abend kamen die verschiedene Schneider  und überreichten uns  massgeschneiderte Kleider. Natürlich musste alles gleich anprobiert werden und wir erstrahlten farbenfroh.

03.08.2018

Am morgen wurden die letzten drei Patienten operiert. Wir haben nun insgesamt 96 Augenoperationen erfolgreich durchgeführt trotz aller widriger Umstände. Als Abschluss unseres Aufenthalts pflanzten wir gemeinsam mit allen verantwortlichen Persönlichkeiten der Stadt und einigen Angestellten des Spitales Bäume auf dem zukünftigen Spitalareal. Nach dem Mittagessen hiess es Moskitonetze abhängen, Koffer packen und Abschied nehmen. Es war kein einfacher Abschied! Wir wurden in diesen zwei Wochen von Brigitte und Antoine richtig verwöhnt und bekocht. Auf dem Weg zum Flughafen machten wir einen Stopp am Meer in Lomé und genossen die Meeresluft. Nun geht es ab in die Luft und zurück in unsere " Welt". Wir hoffen sehr, dass wir unseren Rückflug ohne grosse Verzögerung und Probleme überstehen und freuen uns, Euch  ausführlich von unseren Eindtücken und Erlebnissen zu erzählen. Wir schliessen das Tagebuch hier ab und hoffen, dass es Euch gefallen hat. Unser Internet war in Togo katastrophal, aber wir haben es geschafft!

Wir möchten uns nochmal entschuldigen, dass unsere Texte nicht immer zur rechte Zeit hochgeladen wurden und die Bilder fehlen. Wir haben nun drei Tage lang kein Internet gehabt. Doch wir sind eben in Afrika, in Togo,  einem der ärmsten Länder der Welt. Auf der Rangliste liegt Togo auf Platz 159, Indien auf Platz 130 und Mexiko auf Platz 60.
Auch wenn hier nicht alles immer nach Plan funktioniert, klappt es am Ende doch. Es ist alles eine Frage der Einstellung und Flexiblität. 
Wir hatten einen tollen Aufenthalt in Togo und konnten dem einen oder anderen hoffentlich nicht nur hier, sondern auch bei Euch zu Hause die Augen öffnen.