Tagebuch 2015

ANREISE  -  25 JULI 2015

 

Guten Tag lieber Tagebuchleser/-in! Wir werden uns bemühen dich/Sie zu füttern mit allem, was wir in Togo erleben werden.

 

Samstag Morgen, 09:00 Uhr. Das Togo-Team trifft sich am Züricher Flughafen, wobei anzumerken ist, dass unsere Gruppe um zwei Personen gewachsen ist. Herzlich willkommen in unserem Team heissen wir Joan de Nies (Anästhesieschwester) und Annia Hierl (Optikerin und Optometristin).

11 Stunden später trafen wir am Flughafen Lome ein und bereits bei der Ankunft wurde uns klar: Dieses Jahr wird alles anders. Die Fahrt in dem überfüllten und stickigen Flughafenbus (2014) wurde ersetzt durch einen kleinen, gekühlten Privatbus. Dieser brachte uns in ein VIP Zimmer mit grossen, schweren Vorhängen. Dort erwartete uns eine angenehme Passkontrolle und Personal, welches nur für uns zur Verfügung stand. Alles Administrative wurde wie im Flug erledigte. Auch der Medizincheck verlief reibungslos und unsere 18 Koffer wurden herausgesucht und bereitgestellt. Diesen angenehmen Ablauf haben wir Dr. Aristide Gnassingbe (Minister für Togo in der Schweiz) zu verdanken, welcher alles für uns organisiert hat. Nach einem kurzen Abendessen in einem unscheinbaren Restaurant, erwartete uns die 50 Kilometer lange fahrt nach Vogan. Eine Stunde lang wurden wir von der löchrigen Strasse kräftig durchgeschüttelt.

Gegen zwölf Uhr Nachts erreichten wir endlich Pfarrer Théos Farm und der Anblick der uns dort erwartete, liess uns alle Sorgen und Schmerzen vergessen. Der riesige Container von MAERSK war bei der Farm von Théo bereits eingetroffen und wurde entladen. In dem Container befinden sich sechs Tonnen Material. Sechs mal mehr als im letzten Jahr. Issaka, unser togolesischer Freund in Ennetbaden, hat dafür gekämpft  dies zu ermöglichen. Seine Nerven liegen dementsprechend blank. Die OCDI (Organisation de Charité pour le Dévelopment Integrale) bereitete ihm grösse Mühen und Probleme. Die OCDI ist eine Organisation, welche humanitäre Projekte in Togo unterstützen soll. Diese Organisation tut hingegen gar nichts und lässt sich nur mit Geld füttern. Eine sofortige Auflösung währe wohl am besten. Nur durch die Bemühungen und Anwesenheit von Aristide (Halbbruder des Presidenten Togos, welcher Fauré heisst), Issakka und Pather Théo sind wir vorwärtsgekommen. Ein Uhr Nachts gingen wir ermutigt und voller Vorfreude auf den morgigen Tag ins Bett.

Hiermit geht das Togo-Tagebuch in die zweite Runde und das Team freut sich, dass Du/Sie die humanitäre Reise der Stiftung Togo opening eyes mitverfolgen.

 

 

TAG 1  -  26 JULI 2015

 

Ausgeschlafen trifft sich das Togo-Team am Frühstückstisch. Frische Eier, Früchte und ein endlich geniessbarer Kaffee erweckten in uns die Vorfreude auf den Tag. Gegen
zehn Uhr morgens trafen wir im hôpital de Vogan ein. Zu sehen war eine Schar von Leuten, die bereits eifrig damit beschäftigt waren, den Container mit dem Material zu entleeren. Die Arbeit, die auf uns zukommt, war an den unendlich vielen Kisten deutlich zu spüren.

Den ganzen Morgen über waren wir damit beschäftigt, den neuen OP Saal einzurichten, welcher uns neu zur Verfügung gestellt wurde. Die Räumlichkeiten waren gefüllt mit Material und schaulustigem Spitalpersonal. Der kleinere der beiden Säle ist für die Operationen vorgesehen und ist beinahe schon zu klein. Der grössere für die Untersuchungen. Ernest, der togolesische Assistent, hatte bereits ein grosses Programm für die Operationen erstellt. 

Vier Uhr Nachmittags erwartete uns der Bürgermeister Vogans, le Maire. Wie das Jahr zuvor, hiess er uns herzlich willkommen und informierte sich über den Ablauf unserer humanitären Aktion.

Gegen Abend empfing uns Pfarrer Théo in seiner Messe. Der Gottesdienst wurde von singenden und tanzenden Kindern begleitet. Doch auch die übrig Anwesenden, gekleidet in ihren traditionellen Kleidern, konnten dem Rhythmus der Trommeln nicht widerstehen. Die Stimmung war sehr fröhlich und ausgelassen. Zwei Stunden (!) später war der Gottesdienst fertig. Wieder auf Théos Farm angekommen, erwartete uns nach einem langen Tag endlich die kalte Dusche und das Abendessen.

Den ersten Tag haben wir gut überstanden, doch es bleibt spannend, was wir noch alles erleben werden.

Morgen steht der Besuch in „La Présidence“ auf dem Plan. Das ist der Präsidentenpalast.

 

 

TAG 2  -  27 JULI 2015

 

Der Tag startete mit einem frisch gebackenen Brot, welches die Köche nach Angaben vom Anästhesiearzt Mathis Lang zubereitet hatten. Es ist acht Uhr morgens und wir befinden uns auf dem Weg ins Spital. Die Aufbau- und Vorbereitungsarbeiten sind in vollem Gange. Es waren unzählige Kartons gefüllt mit Augentropfen und unendlichem Zubehör. Insgesamt wurde ein Inventar von 1246 Medikamenten aufgenommen. Zusätzlich sind wir im Besitz von 346 Linsen in verschiedenen Stärken. Wie angenommen hatten wir zu wenig Stauflächen. Kreativität war gefragt. Die Material-

kartons eigneten sich perfekt als Regale. Problem gelöst J. Bereits am Morgen wurden erste Patienten, darunter auch Kinder, untersucht und Termine festgelegt.

Gegen Mittag liess der Prefekt die Frauenherzen höher schlagen. Auch der gestern besuchte Bürgermeister le Maire erschien im Spital. Erfreut waren wir ebenfalls über den Besuch von Folie, Augenarzt in Lomé. Er ist Präsident bei Vision sans frontière und unterstützte uns letztes Jahr tatkräftig. Gegen drei Uhr nachmittags war alles vollständig eingerichtet und startklar für die nächsten zwei Wochen. Ebenfalls erreichte uns die Nachricht, dass unser heutiger Besuch in der Présidence, das ist der Präsidentenpalast ins Wasser fällt. Der Präsident befindet sich noch immer an den traditionellen Kämpfen im Norden des Landes, welche mit dem Schweizer Schwingfest zu vergleichen sind.

Morgen werden die ersten Operationen durchgeführt und ein weiteres Teammitglied wird eingeflogen. Mit Vorfreude erwarten wir Till Moosberg.

Es bleibt spannend.

 

 

TAG 3  -  28 JULI 2015

 

Das Ausschlafen ist vorbei und die Arbeit beginnt. Gegen sechs Uhr morgens läuteten die Wecker und eine Stunde später befand sich das gesamte Team im Operationssaal. Doch die Geräte waren noch nicht startklar. Die Stromversorgung war zu schwach und dementsprechend gingen auch die Geräte nicht. Dem Spitaltechniker ist es jedoch zu verdanken, dass wir eine halbe Stunde später endlich loslegen konnten. Hierzu ist anzumerken, dass sich das Spital bezüglich Ordnung massiv verbessert hat. Alles ist sauberer und es im allgemeinen wird sich mehr Mühe gegeben.

Die ersten Operationen verliefen gut und das Team war gut aufeinander abgestimmt. Nach den ersten sechs Operationen erwartete uns das Mittagessen. Bohnen, Ananas und Brot. Gestärkt brachte das Operationsteam am Nachmittag weitere vier Operationen zustande. Allesamt verliefen reibungslos. Uebrigens habe wir auch den Augenassistenten Ernest und ein Arzt aus Lome, das ist Dr. Sidi haben uns begleitet. Dr. Sidi will unbedingt das operieren lernen am Phakogerät.  Das ist das Gerät zur Grauen Star Operation mit dem Ultraschall. Er hat schon 3 Jahre operiert und ist sehr erfahren.  Idealerweise nehmen wir die beiden in die Schweiz an einen Phakokurs (das ist ein Operationskurs an den modernen Geräten) für 2 Wochen. Dann kann sich das Augenoperieren bereits verselbständigen in Vogan. Ernest ist immer da und Dr. Sidi kommt wird gelegentlich von Lomé kommen zum Operieren, so können sich die beiden auch unterstützen. Das muss noch gut mit unseren Freunden aus der Firma in der Schweiz besprochen werden wie wir das genau machen. Schaffen wir das , so haben wir bereits und unbedingt Nachhaltigkeit erreicht.

Am späteren Abend traf dann endlich auch noch unser zehntes Teammitglied ein. Glücklich darüber zu sehen, was sich seit unserem ersten humanitären Einsatz alles verändert hat und was unser OP-Team mit Deinen/Ihren Spenden zustande gebracht hat, gingen wir schlafen.

 

 

TAG 4  -  29 JULI 2015

 

Der vierte Tag unseres Aufenthaltes in Togo brachte einigen Gesprächsstoff mit sich. Zuerst wird jedoch auf den restlichen Verlauf des Tages Bezug genommen.

Der zweite Operationstag: Ein noch besser eingespieltes Team. Den ganzen Tag über von sieben Uhr morgens bis sechs Uhr abends wurde operiert. Abgesehen von einer kurzen Mittagspause im Hinterhof des Spitals. Der Chefdirektor Dr. Agbetiafa besuchte uns und hiess und willkommen. Gegen den Abend trudelte das ganze Team zum Nachtessen ein und die grosse Diskussion begann:

Der erste Diskussionspunkt bezog sich auf die Patienten. Im allgemeinen hatte das Team das Gefühl, dass die Patienten im Durchschnitt wohlhabender sind als im letzten Jahr. Wir sind jedoch hier um arme Leute zu operieren. Es kam die Frage auf, ob das Spital wohlhabendere Personen auf die Operationsliste setzte und so die anderen zurücksetzt. Die Wohlhabenderen zahlen nämlich etwas. Und wichtigere Leute bestehen darauf, dass sie behandelt werden. Die Behandlungstermine wurden von Ernest (Togolesischer Augenarzt) bereits vor unserer Ankunft vergeben. Im zweiten Diskussionspunkt handelte es sich darum, ob wir unsere wertvolle Operationszeit am Abend hergeben sollen um an der Einladung der Regierungsmitglieder anwesend zu sein. Morgen werden wir zu einem Fest bei Aristide Gnassingbe, das ist der Halbbruder des jetzigen Präsidenten namens Faure in Lomé erwartet. Nach einer intensiven Diskussion kamen wir zum Schluss, dass wir die Einladung annehmen. Nur durch die Verbindung mit der Regierung kann uns der Weg geöffnet werden, den Armen zu helfen.

Wir sind gespannt, was der morgige Tag alles mit sich bringt und ob sich die heute besprochenen Diskussionspunkte klären werden. Wir halten Sie / Dich auf dem  Laufenden.

 

 

TAG 5  -  30 JULI 2015

 

Trotz der gestrigen Diskussionen, starteten wir den heutigen Tag mit einem Lächeln. Der Tag war überfüllt mit Operationen, darunter zwei Kinder. Die Operationen, auch jene der Kinder, verliefen gut. Leider hatte das eine 5 jährige Kind eine derartig schlimme Veränderung im Auge, dass ihm nicht mehr zu helfen war. Das andere der beiden Kinder erlitt einen heftigen Schlag auf das rechte Auge. Die Folge war eine vollständig zertrümmerte Linse, welche ersetzt werden musste. Die Operation war dementsprechend länger und schwieriger.

Gegen Mittag erhielten wir vom OP-Team die Bitte, einen Hocker beim Schreiner anfertigen zu lassen. Grund dafür: Keine Sitzgelegenheit im Operationssaal für die Anästhesieärzte. Wir „Youngsters“ erinnerten uns jedoch erst wieder auf der Farm an die Bitte. Kurzerhand nahmen wir den Werkauftrag selbst in die Hand. Anhand einer Machete fällten wir einen Bambusbaum in der Hoffnung, daraus einen Stuhl zu zimmern. Es wurde jedoch ein Tisch. Till als zukünftiger Schreiner wird das hoffentlich besser machen.

Mittags kam Dr. Agbetiafa, der Spitaldirektor zu uns und wir konfrontierten ihn mit der Frage nach der Armut der Patienten. Er erklärte uns, dass 2 Monate vor unserer Ankunft im Radio verkündet wurde, dass unsere Stiftung ToGo opening eyes arme Leute gratis operiert. Ebenfalls: On a gongoné. Das heisst, es wurde mit Buschtrommeln die Botschaft verbreitet, dass unsere Gruppe für Augenoperationen kommt. Unselektiv wurden dann die Patienten für die Eingriffe eingeschrieben. Die sogenannten Reichen müssen nun für die Operationen etwas zahlen und wir können damit Material zum Operieren für die Armen kaufen. Auch wenn Ernest (Togolesischer Augenarzt) in lokale Dörfer fährt, kann er das Geld für Kontrollen ausserhalb des Spitals verwenden. Alle Zahlungen werden genau registriert und aufgeschrieben. Leider kommt es immer wieder vor, dass sich Politiker oder sonstige wichtige Persönlichkeiten einschleichen. Wir akzeptieren das, da wir wissen, da wir nur so noch effektiver den Armen helfen können.

Das ist eben Afrika und ohne Vernetzung passiert in diesem Land gar nichts. Das ist ja auch bei uns so! In Afrika jedoch viel extremer anzutreffen.

Ebenfalls wurde erneut diskutiert, ob wir den weiten Weg nach Lomé auf uns nehmen wollen. Schliesslich blieb uns keine Wahl. Aristide (Halbbruder des Präsidenten von Togo) hatte bereits das ganze Abendessen für das Fest organisiert und bezahlt. Wir wollten ihn keinesfalls alleine lassen.

Als wir am Abend dann endlich in Lomé eintrafen, war die zweieinhalbstündige Holperfahrt schnell vergessen. Herzlich wurden wir von einer live band empfangen, welche uns ebenfalls den ganzen Abend über musikalisch begleiteten. Sie sangen und improvisierten „ToGo opening eyes, welcome, we are so proud“. Auch das Buffet war sehr schmackhaft. Kontakt haben wir nun mit dem Inspecteur des Douanes Mr. Tidiye. Eine äusserst imposante und eindrückliche Persönlichkeit. Er wird uns für den nächsten Container sehr hilfreich sein. Der Abend war amüsant und wir freuen uns bereits jetzt auf die morgen geplante Reise in den Norden!

 

 

TAG 6  -  31 JULI 2015

 

Am heutigen Tag wurde nicht viel operiert. Grund dafür war die Einladung der Regierung Togos zu einem Ausflug in den Norden nach Kara. Es ist Freitag und etwas widerwillig haben wir der Einladung zugesagt. Das Reiseziel ist die Stadt Kara, welche rund 450 Kilometer nördlich von Vogan liegt. Die Fahrt dauert acht Stunden und so waren wir dazu gezwungen, den Operationstag um zwei Uhr Nachmittags frühzeitig zu beenden. Dennoch brachte das OP-Team viele Operationen zustande.

Die Fahrt war  äusserst mühsam. Die Natur atemberaubend. Es war erstaunlich zu sehen wie sich die Natur in Richtung Norden stetig veränderte. Trotzdem war die Gruppe irritiert. Die Reise dauerte länger als uns mitgeteilt wurde und die Gruppe war genervt darüber, dass wir die Zeit nicht ins Operieren investieren konnten. Um Mitternacht erreichten wir endlich unsere Unterkunft. Die Gruppe war erschöpft, die Stimmung dementsprechend angespannt. Schlafen war angesagt, was wir alle auch bitter nötig hatten.

Der morgige Tag verspricht viele spannende Erlebnisse. Die Regierungsvertreter werden uns die Region Karas zeigen. Über das Erlebte wird berichtet.

 

 

TAG 7  -  1 AUGUST 2015

 

Um acht Uhr morgens ist Tagwache.  Wir erschienen alle in roten 1. August T-Shirts. Gestärkt von einem kurzen Frühstück ging es eine Stunde später mit der Entdeckungsreise quer durch Kara weiter. Vom Besuch in einem historischen Museum Togos (die Geschichte des Vaters des jetzigen Präsidenten und des Bruders Aristide), bis zur Safaritour mit Zebras, Gnus und weiteren afrikanischen Tieren war alles dabei. Diese interessanten Erlebnisse haben wir Aristide, Issaka und Mr. Tidiye zu verdanken.

Der frühere Präsident und Vater Aristides hatte drei Attentate zu überstehen bis er 2005 in einem Flugzeug, welches ihn für eine Therapie irgendwohin brachte, verstarb.

Zur Feier des schweizerischen Nationalfeiertags fand am Abend noch ein kleines Fest statt. Es herrschte gute Laune, begleitet von traditionellen Volkstänzen.

Gegen zehn Uhr abends wäre der Heimweg nach Vogan geplant gewesen, doch diese Idee wurde fallengelassen. Die Fahrt durch die Nacht ist viel zu gefährlich. Es hiess, dass das Reisen in der Nacht durch Togo zu viele Risiken mit sich bringen würde. Der Heimweg wurde also auf den nächsten Tag verschoben. Nicht zugunsten Pfarrer Théos.

Wir haben mit ihm bereits seit 1 Woche abgemacht, dass wir seine Paroisse (seine Kirchgemeinde) am Sonntag in der Messe besuchen werden. Das geht nun nicht mehr. Wir alle und auch Pfarre Théo sehen ein, dass wir uns den Gegebenheiten beugen müssen und erst um 5 Uhr morgen losfahren können. So ist Afrika! Gemachte Pläne ändern dauernd und das stresst uns ein wenig. Aber die Sicherheit geht vor. Wir wollen nicht auf einer Staubstrasse Afrikas verenden.

 

Wir bemühen uns sie auf dem aktuellen Stand zu halten. Es ist uns nicht möglich jeden Tag zu berichten, da wir nicht immer Verbindung zum WLAN haben. So kommt es, dass plötzlich grössere Mengen aufgeschaltet werden. Um so mehr freut es uns, dass Du/Sie sich die Mühe nehmen das Tagebuch zu lesen.

 

 

TAG 8  -  2 AUGUST 2015

 

Es ist 05:00 Uhr morgens und das Team ist bereits startklar für den Rückweg nach Vogan. Die Fahrt war holprig und das Team müde. Erst gegen zwei Uhr nachmittags erreichten wir die Farm Théos. Wir brauchten 9 Stunden um die 450 Kilometer hinter uns zu bringen. Wir waren durchgeschüttelt von oben bis unten. Zum Glück blieb uns jedoch noch der ganzen Nachmittag um uns zu erholen.  

Morgen gehen die Operationen weiter. Wir wollen eine Operation mehr erreichen als im letzten Jahr. Dementsprechend 102. Nicht grosse Zahlen sind unsere Ziele, sondern „nous voulons donner une impulsion!“ Das heisst, dass wir einen Anstoss geben wollen und zwar so, dass die Augenklinik im Spital Vogans selbständig läuft. Mit dem Einrichten der Augenpraxis und dem Operationssaal haben wir schon sehr viel erreicht. Auch die Ausbildung der beiden Assistenten namens Ernest und Sidik ist ein weiterer Meilenstein.

Morgen sollen alle gespendeten Sachen im Spital verteilt. Wir danken allen Spenden!

 

 

TAG 9  -  3 AUGUST 2015

 

Das Wochenende ist vorbei und die zweite Arbeitswoche beginnt. Wir nahmen um sieben Uhr morgens erneut die Arbeit auf. Als wir im Spital ankamen, liefen wir gegen eine Wand von wartenden Togolesen. Der Wartesaal war gefüllt wie noch nie zuvor. Das hängt damit zusammen, dass sich unsere Anwesenheit in Vogan herumgesprochen hat.

Das Team arbeitete wie verrückt und brachte so den neuen Highscore des Jahres 2015 zustande. Wir reden von 15 Operationen an einem Tag. Auch Annia Hierl, unsere Optikerin und Optometristin, leistete beste Arbeit. Den ganzen Tag über war sie damit beschäftigt, den togolesischen Augenarzt weiterzubilden. Es wurde den ganzen Tag über bis abends gearbeitet. Ebenfalls erhielten wir Besuch vom Bürgermeister und vom Prefekt.

Auch besucht hat uns Dr. Folly von „Vision sans frontière“. Er ist der Präsident jener Stiftung und wir haben ihm für seine Arbeit mit den Armen in den Dörfern eine Augendruckgerät geschenkt. Das haben wir fotografisch dokumentiert und sind glücklich, dass er seine Arbeit damit besser vollbringen kann.

Gegen Abend nahmen wir noch Abschied von Till Moosberger, bevor wir uns müde an den Nachttisch begaben. Wir danken Till für seine geleistete Hilfe in Togo.

Morgen geht es weiter. Der togolesische Augenarzt namens Sidik soll einen Teil einer Operation übernehmen und so auch die neue Technik langsam erlernen. Mal schauen wie das geht.

Übrigens wurden die gespendeten Sachen noch nicht verteilt. Wir müssen uns daran gewöhnen, dass Abgemachtes im afrikanischen Umfeld immer wieder geändert und organisatorisch nicht genau besprochen wird. Dazu kommt noch der sogenannte „facteur trois“ . Das heisst, alles dauert dreimal länger als wir es uns gewohnt sind.

Müde aber glücklich über die geleisteten Arbeit begaben wir uns zu Bett. 

 

 

TAG 10  -  4 AUGUST 2015

 

Es ist sieben Uhr morgens und der Operationstag beginnt wieder von vorne. Wie erwartet, war der Wartesaal auch heute wieder überfüllt. Heute waren 13 Patienten auf dem Programm, darunter drei Kinder und Jugendliche, auch Einäuger und schwierige Operationen. Dr. Sitik konnte seine erste Operation unter Anleitung machen. Seine Leistung war bemerkenswert. Die Anästhesien (Dr. Mathis Lang und Joan de Nies) leisteten ebenfalls beste Arbeit. So verliefen die Operationen ohne Probleme. Neben all den Operationen war auch noch ein zweiter Punkt auf dem heutigen Programm. Die in der Schweiz gesammelten Kleider von Issaka wurden unter den Bedürftigen verteilt. Die Kleider wurde dankbar entgegengenommen, gehamstert und sogar gestohlen. Alles in allem verlief die Aktion jedoch sehr befriedigend. Wer aber denkt, wir hätten heute bereits alle Kleider verteilt, liegt falsch. Morgen folgt der nächste Teil der Warenverteilung. Anzumerken ist ebenfalls, dass sich noch mehr als die Hälfte aller Kleider in der Schweiz befinden. Jene hatten keinen Platz mehr im Container und werden das nächste Jahr verteilt. Wir danken für eure Grosszügigkeit und verteilen weiterhin an Arme so gut es geht.

Heute bemerkten wir auch noch etwas sehr schönes. Unsere Operationskleidung vom letzten Jahr (aus Papier wohlgemerkt) wurde immer wieder gewaschen und im Operationssaal weiter gebraucht. Der Spital gibt sich sehr viel Mühe.

 

Leider sind die zwei aus der Schweiz gesendeten Pakete noch immer nicht bei uns. Sie sind zwar schon vor einigen Tagen in Lomé angekommen, aber niemand erklärt sich dazu bereit, sie bis nach Vogan zubringen. Das Problem: Die Post funktioniert hier einfach nicht. Die eine Sonde brauchen wir dringend für die Augenausmessung und die gesendeten Linsen für die weiteren Operationen. Hoffentlich kommen die Pakete endlich zu uns.

Wir sind gespannt, wie der morgige Tag und der zweite Teil der Verteilungsaktion verläuft. 

 

 

TAG 11  -  5 AUGUST 2015

 

Die Zeit vergeht hier wie im Flug. Heute war unser drittletzter Tag im Operationssaal. Doch auch er stellte das OP-Team noch einmal auf die Probe. Vier Kinder wurden operiert. Davon zwei beidseitig. Dank unserem Anästhesieteam verliefen die Operationen hingegen problemlos. Auch die Vor- und Nachbereitungen waren sehr intensiv. Hierbei danken wir Jolande für ihre Arbeit.

Auch Annia, unsere Optikerin, hatte alle Hände voll zu tun. Immer noch war sie damit beschäftigt, den togolesischen Assistent zu unterstützen und zu erklären, wie die Brillenbestimmungen an der neuen Untersuchungseinheit funktionieren.

Der zweite Teil der Verteilungsaktion der in der Schweiz gesammelten Kleider war ebenfalls auf dem heutigen Programm. Doch wieder einmal waren jene Personen, die das Ganze organisierten, nicht anwesend. Die Verteilungsaktion fiel dementsprechend ins Wasser. Sie wird jedoch an einem späteren Zeitpunkt stattfinden.

Am Abend wurden wir dann noch in Pfarrer Théos Messe erwartet. Das OP-Team war jedoch zu fest mit dem Andrang der Patienten beschäftigt, als dass sie Zeit gefunden hätten, um an der Messe mitanwesend zu sein. Vorort waren schliesslich also nur wir Jugendlichen (Yasmine und Beni). Die Messe war sehr schön. Wie letztes Jahr, wurde auch heute wieder musiziert und zu afrikanischen Rhythmen getanzt. Die Stimmung war enorm.

Über das, was morgen nun alles stattfinden wird oder eben nicht, wird berichtet.

 

 

TAG 12  -  6 AUGUST 2015

 

Und es geht weiter. Viele Operationen warteten auf uns. Allesamt waren schwierig. Grund dafür sind die weissen, harten Linsen, welche sich nur schwierig entfernen lassen. Weitere Gründe sind Augenverletzungen und viele Patienten, welche nur auf einem Auge sehen können. Die meisten Patienten kommen von Weite her, da es sich herumspricht, dass wir hier sind und gute Arbeit leisten. Jene Information erreichte sogar einzelne Patienten aus den Nachbarsländern Ghana und Benin.

Unser togolesischer Augenarzt Dr. Sidik vollbrachte heute ebenfalls erfolgreich seine  erste Katarkatoperation mit unseren Geräten. Die Rede ist von seiner ersten Phakoemulsifikation (= Linsenentfernung mit Ultraschall). Heute operierten wir drei Kinder. Eines einseitig und zwei beidseitig. Immer mehr Ärzte besuchen uns während unserer Arbeit und wollen wissen, wie wir hier in Togo arbeiten.

Im ganzen Togo gibt es etwa 20-30 Augenärzte. Niemand kennt die genaue Anzahl.

Das ist also ein Arzt auf 200`000 Leute. In der Schweiz ist es etwa 1 Augenarzt auf 20`000. Wir reden nun also von einem Faktor zehn und nicht drei wie oben geschrieben. Es herrscht eine abnormale Unterversorgung.

Neben all den Patienten hatten wir auch noch mit weiteren Problemen zu kämpfen.  Während den heutigen Operationen, fiel plötzlich der Strom aus. Das machte unsere Arbeit nicht gerade einfacher. Noch dazu, sprang wie aus dem Nichts eine grosse, flache Spinne aus den Kleidern einer Patientin hervor. Das Schreien unserer Operationsschwestern (Nicole und Roberta) und unserer Anästhesieschwester (Joan) war kaum zu überhören. Nach der erfolglosen Jagd, verendete die Spinne schliesslich unter der Sauerstoffflasche des Anästhesiearztes Dr. Mathis Lang.

Gegen 10 Uhr morgens erhielten wir ebenfalls noch Besuch von Dr. Agbetiafa. Er kam hingegen in der Hoffnung, dass Dr. Armin mit ihm nach Lomé reist, um dort mit dem Gesundheitsminister ein Papier zu unterschreiben. Auch das Fernsehen war anwesend. Dieser Ausflug hätte hingegen das ganze Mittagsprogramm aufgelöst. Die Gruppe war dementsprechend klar dagegen. Für die Operationen sind wir hier und nicht für Meetings in ganz Togo. Hartnäckig haben wir das Treffen also abgesagt und haben das heutige Programm gut fertig gebracht. Es wird sich sicherlich eine andere Lösung finden.

Am Abend bot sich dann noch ein Spaziergang durch das Dorf Vogans an. Der Weg führte uns durch die grüne Landwirtschaft an wunderbar aufgeräumten Erdhäusern vorbei.

Morgen ist der letzte Operationstag. Wir freuen uns bereits jetzt ihnen mitteilen zu können, dass wir die Zahl von 102 Operationen (1 mehr als letztes Jahr) erfolgreich erreichen werden. Wie bereits erwähnt, sind nicht grosse Zahlen unser Ziel , sondern der Anstoss in eine bessere, selbstständigere Zukunft. Gegen den Mittag wird dann noch die Abschiedszeremonie stattfinden. Wir halten sie auf dem neusten Stand der Dinge.

 

 

TAG 13  -  7 AUGUST 2015

 

Heute ist unser dreizehnter Aufenthaltstag in Togo und unser zehnter Arbeitstag im Spital Vogan. Bis zwei Uhr Nachmittags wurden die letzten Operationen durchgeführt. Auch unserem togolesischen Augenarzt Dr. Sidik war es möglich zwei Operationen mit moderner Technik unter Aufsicht durchzuführen. Und dann war es endlich so weit. Der 102te Patient konnte erfolgreich operiert werden und zwar durch unseren togolesischen Augenarzt Dr. Sidik. Als Reserve haben wir noch drei weitere operiert.

Wir sind froh darüber, unser Ziel ohne Komplikationen erreicht zu haben. 

Während unserer zehn Arbeitstagen wurden vierzehn Kinder und Jugendliche operiert. Einige davon beidseitig. Auch haben wir das Ziel erreicht, neben dem Operationssaal die Untersuchungseinheit einzurichten. Unserem starken Team ist es zu verdanken, dass nun alles funktioniert und dass es hoffentlich auch so bleibt.

Am Mittag war dann das Aufräumen angesagt. Vieles musste so verpackt und verstaut werden, dass es im nächsten Jahr gleich wieder einsatzfähig ist. Wir werden einiges Material erst im nächsten Jahr freigeben, so zum Beispiel das Sterilisationsgerät. Ebenfalls wurde das Inventar des Endbestandes der Medikamente und Materialien erstellt. Gegen drei Uhr Nachmittags wurde das Aufräumen dann hingegen von der Abschlusszeremonie unterbrochen. Anwesend waren alle hohen Politiker Vogans. Zwei Stunden lang wurden wir mit Danksagungen und Geschenken überschüttet.

Auf dem Heimweg zur Farm Théos schlenderten wir noch durch den Wochenmarkt Vogans. Vom Gemüse bis zu den Voodoo-Utensilien war alles zu finden.

Nach einer kurzen Dusche erwartete uns dann das Abendessen mit dem Prefekt, dem Bürgermeister und dem traditionellen Volksführer Togbi.

Nahgelegt wurde uns vom Klinikdirektor Agbetiafan eine eigene Augenklinik auf dem Spitalareal einzurichten. Das kostet 40 Millionen togolesische Franc.  Das sind umgerechnet 80`000 schweizer Franken. Mal schauen!

In der familiären Atmosphäre wurden wir ebenfalls offiziell als Togolesen anerkannt.

Über den weiteren Verlauf unserer Abreise wird berichtet.

 

 

TAG 14  -  8 AUGUST 2015

 

Unser Aufenthalt in Togo neigt sich langsam dem Ende zu. Bevor wir jedoch abreisten, war noch das eine oder andere zu erledigen.

Am Morgen räumten wir noch die letzten Materialien weg und versorgten diese. Auch kontrollierte unser togolesischer Augenarzt Ernest die gestrigen Patienten. Die Resultate waren hervorragend.

Zum Mittagessen traf dann das ganze Team wieder auf Théos Farm ein. Nach unserem letzten Mittagessen folgte dann das Packen und Aufräumen unserer Sachen auf der Farm. Das Packen war schnell erledigt. Da unser Flug erst am späteren Abend geplant war, blieb uns genug Zeit, um noch ein wenig auf dem Markt Lomés herumzustöbern.

Bevor wir jedoch nach Lomé abreisten, wurde noch Abschied genommen und drei Avokadobäume als Zeichen der Freundschaft gepflanzt. Die drei Bäume erhielten die gewöhnungsbedürftigen Namen: Olaf, Günter und Detlef.

Gegen vier Uhr Nachmittags trafen wir dann in Lomé ein. Wir genossen unsere letzten Stunden auf dem belebten Markt Lomés und schliesslich noch am Strand auf dem Dach des Hotels Palm Beach. Der Strand lädt nämlich nicht zum Baden ein! Das Meer ist gleich von Anfang an 15 Meter tief und die Strömungen sind sehr gefährlich. Deshalb ist Lomé übrigens auch das einzige Land in dieser Region, welches einen Hafen für Container-schiffe besitzt. Benin und Ghana haben ein zu flaches Meer dafür.

Um sieben Uhr abends standen wir dann abflugbereit am Flughafen. Die Ausreise war jedoch schwieriger als gedacht. Nur mit einem „Cadeau“ an den Flughafenbeamten durften wir  die mitgeführten Holzschnitzereien behalten.  Es handelt es sich dabei um 10 Euro. Das ist ziemlich viel, wenn man bedenkt, dass der durchschnittliche Monats-lohn in Togo 50 Euro beträgt. Die Korruption lässt grüssen.

 

 

ANKUNFT  -  9 AUGUST 2015

 

Gegen neun Uhr morgens treffen wir am Flughafen Zürich-Kloten ein. Wir werden herzlich begrüsst. Alle sind froh, dass wir gesund und unversehrt ankamen.

Und zum Schluss sagen wir Akbe kaka (das heisst „vielen Dank“ in einer der  Landessprachen Togos) für ihre grosszügige Unterstützung und Spenden.

Dank Ihrer/Deiner Hilfe verlief alles enio too („sehr gut“ ). Hiermit beenden wir die Berichterstattung und schliessen das Tagebuch für das Jahr 2015 ab.

Vielen, vielen  Dank an das Dream Team! Die Fortsetzung folgt im Jahr 2016.